Verfasst von: Alexander Grosch | Mai 26, 2008

Wow fühl ich mich heute fit


 Gerade mal wieder einen Kasten Cola Zero aus dem Getränkemarkt geholt, diesen sicher nach Hause gebracht und die letzte Flasche des alten Kastens aus dem Kühlschrank geholt.

 Den Fernseher angeschalten, die eiskalte Cola ins Glas laufen lassen…

…ach da kommt ja die passende Werbung im Fernsehen.

Cola Zero, Echter Geschmack, Zero Zucker. So, wie es sein sollte.

Der Spot ist gar nicht schlecht, aber nichts, was mir die Sprache verschlagen würde. Den Werbespot schnell wieder vergessen, lasse ich genüsslich die Cola meinen Gaumen hinunterlaufen.

Nach ein paar Stunden vor dem Fernseher und der dritten Flasche Cola Zero fühle ich mich so fit und unternehmenslustig, dass es vielleicht schon fast beängstigend ist. Meine Oma würde jetzt sagen, bei so viel Cola musst du ja zappelig werden, so viel Coffein. Doch es ist nicht der erste Tag in meinem Leben an dem ich Cola trinke. Daran kann es nicht liegen.

Es gäbe für mich explizit keine vernünftige Erklärung, wenn ich nicht vor einigen Wochen einen Artikel über Placebos im Marketing gelesen hätte.

Die neueste neurowissenschaftliche Studie des M.I.T. (Shiv. et al.(2005) Placebo Effects of Marketing Actions, Journal of Marketing Research) belegt, dass die Produktwirkung erheblich von der Erwartung an das Produkt beeinflusst wird. Die Erwartungen an Produkte werden vor Allem durch die Preis- und die Kommunikationspolitik beeinflusst.

In verschiedenen Experimenten wurde untersucht ob es bei Produkten einen nachweisbaren Placebo Effekt gibt. Dabei wurden verschiedene Marketingmaßnahmen auf ihre Wirkung getestet. In einem dieser Experimente wurde untersucht, ob bzw. wie stark Werbung in der Lage ist, einen Placebo Effekt auszulösen. In diesem zitierten Experiment wurde einem Teil der Probanden Werbung zur Wirkung eines Energydrinks gezeigt.

shiv et al.(2005) Placebo Effects of Marketing)

 Dabei wurde festgestellt, dass Probanden, die vor dem Konsum des Energy Drinks Werbung über die Wirkung dessen sahen mehr Rätsel lösen konnten, als eine Kontrollgruppe, die keine Werbung zu sehen bekam. Dies bedeutet, dass die Werbung die objektiv gemessene Leistungsfähigkeit (Konzentration) der Probanden erhöhte (Placebo-Effekt).

Die Erwartung an das Produkt, die durch die Werbung geweckt wurde, hat die reale Erfahrung mit dem Produkt beeinflusst.

Dies könnte auch in meinem Beispiel der Fall gewesen sein, sodass die Cola Werbung und die dadurch geweckte Erwartung an das Getränk, meine tatsächliche Erfahrung mit dem Getränk beeinflusste.

Macht unser Gehirn uns nur etwas vor und sind wir die Opfer unserer jahrtausendealten Triebe, die im inneren des Gehirns sitzen? Zu welchen Ergebnissen auch zukünftige Studien im Neuromarketing führen werden, die Cola schmeckt, sogar noch besser, nachdem ich mir die Werbung angeschaut habe.


Responses

  1. Bin ich froh, dieses Blog gefunden zu haben! Wirklich spannend und informativ geschrieben. Placebo hat übrigens auch im medizinischen Bereich einen riesigen Einfluss. Es ist gar nicht so einfach, den Wirknachweis eines Medikamentes in einer wissenschaftlichen Studie gegen die Placebowirkung durchzusetzen. Oft sind die Unterschiede der Wirkkraft statistisch gesehen unbedeutsam! Das Medikament ist dann eigentlich nicht gerechtfertigt. Ein Placebo wirkt aber umso stärker, je teurer das vermeintlich so wirksame Medikament war. Auch das ist ein Trick unseren Gehirns.

  2. Echt toll deine Seite und es wimmelt hier auch nur so vor spannenden Studien! Nur – die Literaturquellen wären echt das special feature, das mir noch fehlt…😉

  3. Hi Rosi, so jetzt kannst du dir den Artikel nochmal anschauen😉. Hab ein bischen optimiert und danke für das Feedback. Schön zu hören, wenns interessant iat.

  4. […] ich mich heute nicht so fit fühle? In einem vorherigen Artikel habe ich bereits über die Wirkung von Placebos im Marketing berichtet. Wie sich diese […]


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