Verfasst von: Alexander Grosch | September 11, 2008

Emotionssysteme im Angesicht der Kultur


Kultur spielt eine immer größere Rolle, auch oder vor Allem im ökonomischen Kontext. Dabei geht es häufig um Themen, wie den Umgang mit ausländischen Geschäftspartnern, Sitten und Regeln, die eingehalten werden sollten: um den „Kultur-Knigge“.

Doch auch im Bereich Marketing, also der Kommunikation mit Kunden spielt die Kultur eine immer entscheidendere Rolle, besonders wenn es um international agierende Unternehmen und deren Auslandsaktivitäten geht.

Denn wie in einem vorherigen Artikel bereits beschrieben, hat die Kultur großen Einfluss auf unser Gehirn, das in den ersten Lebensjahren durch diese geprägt wird. Dazu gehört die kulturspezifische Erziehung genauso Sprache und die Vermittlung von Werten.

Diese kulturindividuelle Prägung sorgt für einen differenzierten Aufbau der Gehirnstrukturen in verschiedenen Kulturen. Dafür ist die Plastizität des Gehirns verantwortlich. Denn das Gehirn ist in seinen genetischen Grundanlagen weltweit zwar ziemlich gleich entwickelt, aber dennoch plastisch und lernfähig. Unser Gehirn ist im Stande seine Verschaltungen und Strukturen den kulturellen Gegebenheiten anzupassen. Die moderne Hirnforschung sorgt dafür, dass sich diese kulturellen Unterschiede auch im Hirnscanner zeigen lassen.

Wie bereits erwähnt spielt dies auch für das Neuromarketing eine große Rolle, wenn es um Werbeanzeigen, Botschaften, Produkte oder die wichtigen Belohnungen und Motive geht, die die Menschen zum Kauf bringen.

Hat die Kultur also Auswirkungen auf die impliziten Emotionssysteme in unserem Gehirn? Neurowissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass es keine Unterschiede in den Emotionssystemen an sich gibt. Die Grundsysteme Balance, Dominanz und Stimulanz sind sowohl in westlichen (Europa) in östlichen (Asien) Kulturen vorhanden, jedoch in unterschiedlicher Stärke und verschiedenen Ausprägungen.

Am folgenden Beispiel ist die unterschiedliche Ausprägung und Stärke der Emotionssysteme gut zu erkennen. Wie schon in einem vorherigen Artikel beschrieben, ist die Bedeutung des Individuums in verschiedenen Kulturen unterschiedlich groß.

Westliche Kulturen zeichnen sich durch stärkeren Individualismus und den Hang zum Egoismus aus als östliche Kulturen. Diese Unterschiede lassen sich auch durch den Hormonspiegel, also die Neurochemie im Gehirn erkennen. Denn zwischen dem Testosteronspiegel und dem Egoismus besteht ein enger Zusammenhang. Je höher der Testosteronspiegel, desto egoistischer ist die Person und desto größer ist auch das Streben nach Dominanz. In diesem Fall wäre dieses Emotionssystem stärker ausgeprägt.

In einer Hormonspiegelstudie wurde der Testosteronspiegel US-amerikanischer und nepalischer Männer untersucht und es wurde festgestellt, dass bei US-amerikanern der Testosteronwert 20 % über dem  der Nepalesen lag.

Hier wird der kulturelle Einfluss auf die Stärke der Emotionssysteme deutlich.

Da ich meine Bachelorarbeit über den kulturellen Einfluss auf die Emotionssysteme schreiben möchte, wird in weiteren Artikeln näher auf die einzelnen Emotionssysteme und die Ausprägungen dieser in den verschiedenen Kulturen eingegangen. Wenn ihr weitere Informationen oder Quellen zu Kultur, Neurowissenschaften oder rund um das Thema zur Verfügung habt, würde ich mich natürlich freuen, wenn ihr euch melden würdet.


Responses

  1. Heute in meiner Tageszeitung gelesen: http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/1813794_0_2147_pornos-orgien-und-keine-hemmungen.html – Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher: Deutschlands sexuelle Tragödie. Wenn Kinder nicht mehr lernen, was Liebe ist. Gerth Medien

    LG sunny

  2. Hey hi,

    danke für den Link. Interessanter, wenn auch inhaltlich krasser Artikel. Und wie gefällt dir mein neuester Artikel?

    Viele Grüße,

    Alex!

  3. Hallo Alex,

    dieser Artikel beherbergt mehrere hochinteressante Themen. Da musste ich mich erstmal ein bißchen sortieren😉

    Interessant finde ich in diesem Zusammenhang das Thema Globalisierung. Diese findet ja nicht nur wirtschaftlich statt, sondern auch gesellschaftlich und produziert jede Menge neue Sozialisationsformen und – faktoren.

    Beispiel: Ein Geschwister von mir ist mitteleuropäisch sozialisiert, genauso wie ich, lebt aber seit mehreren Jahrzehnten im subtropischen Asien. Bei jedem jährlichen Besuch gibt es das gleiche Erstaunen, daß bei uns der Müll wöchentlich, schlimmer noch: nach Wahl auch zweiwöchentlich abgeholt wird. Unvorstellbar für Menschen, die in Subtropen leben. Man merkt ihnen regelrecht den Ekel an. Wenn man dann mal an die gemeinsame Jugend erinnert, in der der Müll auch nicht öfter abgeholt wurde, stößt das nicht wirklich auf Verständnis – das andere System ist mehr verinnerlicht.

    Hochinteressant finde ich auch die Zusammenhänge was den Testosteronspiegel und den Egoismus betrifft. Im Thema ADS trifft man häufig auf einen überbordenden Egoismus, der von Betroffenen nicht als solcher empfunden wird. Auf meinem Blog habe ich unter dem Titel „Yoghurt“ ein Beispiel gegeben. ADS-Menschen empfinden solche Situationen als null wichtig, sie merken auch nicht, daß ein solches Szenario anderen Menschen ziemlich auf den Geist gehen kann – selbst wenn diese ganz genau wissen, was ADS ist und wie es sich auswirkt. Der Hormonspiegel ist überproportional beteiligt bei ADS/Tics & Co.!

    Es wäre interessant herauszufinden, warum der Testosteronspiegel sich in westlichen Sozialisationen so stark verändert. Reizüberflutung? Überangebot? Zeitmanagement?

    Soviel zu meinen ersten Eindrücken, was den Artikel betrifft.

    LG sunny

  4. Hi Sunny,

    ich werd mal versuchen noch tiefer in das Testosteronthema einzusteigen, um dir dann bald die Antwort liefern zu können🙂.

    Haben dir die neuen Artikel bei mir denn gefallen :)?

    Viele Grüße,

    Alex!

  5. Hi Alex,

    alles was ich bisher gelesen habe gefällt mir sehr gut, insofern daß es mich praktisch reflektieren lässt. Weiter so!🙂

    Ganz aktuell interessiert mich der Gedanke, wie solche Emotionssysteme sich biographisch entwickeln. Materiell orientierte und somit entwickelte Emotionen (Nachkriegszeit/Wirtschaftswunder) orientieren sich expressiv am Status (Marken), um im Alter die Präferenz zu wechseln. Wenn der Daimler, Jaguar, Rolls Royce nicht mehr bewegt werden kann, weil die eigenen körperlichen Bewegungsmöglichkeiten sich einschränken, wird die Behandlung durch Herrn Professor präferiert. Auch das ist offensichtlich ein Status?! Übrigens einer mit großer gesellschaftlicher Akzeptanz. Denn kollektiv orientiert man sich an einem solchen Bewußtsein, weil es Exklusivität verspricht. Um echte Qualität geht es hier kaum, denn Professoren haben viel zuwenig Praxis, als daß sie so gut sein könnten wie z.B. Ärzte an der „Front“ (es geht hierbei auch nicht immer nur um Mediziner!)

    Vielleicht ist es auf den ersten Blick nicht interessant für Marketing, weil erstmal keine ökonomisch kapitalistische Variante zu erkennen ist, die Profit verspricht. Hat aber unter demographischen Gesichtspunkten einen vielleicht doch nicht so geringen Einfluss auf Marketing-Interessen? Z.B. in der Pharma-Industrie, die überglücklich ist, daß DMP’s (Desease Management Programme) nun auch in der BRD möglich sind. Dabei nicht vergessen, daß die Pharma’s sich regelrecht beglücken lassen von professoralem Gehabe, welches auch oft entsprechend honoriert wird.

    Wie immer sind Ausnahmen ausgeschlossen!😉

    LG sunny

  6. Hi,

    ja das ist wirklich ein interessanter Gedanke und eine Frage, der wir auf den Grund gehen sollten…wenn es nur so einfach wäre, wie wir uns es vorstellen :)…

    Und du hast natürlich Recht, es gibt durchaus verschiedene Statussymbole, die über das Materielle hinausgehen.

    Viele Grüße,

    Alex!

  7. Hallo ihr beiden,

    ich bin in Moment auf der Suche nach Beiträgen Literatur etc. über cultural Neuroscience und bin so auf diese Seite gestoßen. Eure Beiträge sowie eure Kommentare sind sehr interessant. Ich werde meine Bachelor-Theses über „Neuromarketing und der Zusammenhang mit Kulturen“ schreiben. Ich weiss nicht in welcher Form ihr mit dieser Thematik zu tun habt aber ich wollte fragen, ob ihr mir dies bezüglich helfen könnt. Da die Richtung Cultural Neuroscience relativ neu ist, habe ich Schwierigkeiten Informationen (Literatur etc.) zu finden.

    Ich hoffe, dass Ihr mir dies bezüglich helfen könnt.

    LG

    Kadriye

    • Hi Kadriye,
      also zunächst mal vielen Dank für deinen Kommentar und das Lesen meines Blogs.
      Dann noch eine kurze Aufklärung. Es gibt kein „ihr“ oder „euer“ Blog…also ich bin derjenige, der diesen Blog schreibt und soweit ich weiß auch der einzige🙂.
      Aber jetzt zu deinem Thema…gerne kann ich dir ein wenig Literatur zur Verfügung stellen, die sich mit dem Thema beschäftigt, aber wie du schon selbst gesehen hast, in Form von Büchern wird das nichts, sondern eher in Form von Publikationen oder einzelnen Studien.
      Am besten du kommst nochmal per Mail auf mich zu, dann können wir uns dazu nochmals austauschen.

      Viele Grüße,

      Alex


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