Verfasst von: Alexander Grosch | Mai 4, 2009

Wieso den Rauchern die Zigaretten schmecken?


Ich bin zwar subjektiv nicht in der Lage nachzuvollziehen, wie gut Zigaretten den Rauchern schmecken, kann aber dennoch aus neurowissenschaftlicher Sicht zeigen, wieso die Aussage „weil’s schmeckt“ in den allermeisten Fällen nicht zutrifft.

Dabei möchte ich natürlich keinem Raucher das selbige abgewöhnen, wenngleich es auch sinnvoller wäre. Ich möchte lediglich aufzeigen, dass das „Nichtrauchen“ lediglich wieder trainiert werden muss.

Die Zigarettensucht zeichnet sich durch die gleichen Merkmale aus, wie jede andere Drogensucht und aktiviert im Gehirn auch die selben Regionen. Das Rauchen von Zigaretten aktiviert belohnungsrelevante Areale und sorgt für die Ausschüttung von Dopamin. Allerdings sorgt jede weitere Zigarette für

Das bedeutet das Gehirn verlangt nach jeder weiteren Zigarette nach noch mehr Zigaretten, um die entsprechenden Gehirnareale erneut zu aktivieren. Es ist also eine physiologische Zwangsreaktion, die implizit abläuft und meist nicht bewusst wird.

Bei einigen Rauchern bekommt man auf die Frage nach dem „Warum?“ ein „weil es schmeckt“ zu hören, dass allerdings in kaum einem Fall zutrifft. Dass die physiologischen und neuronalen Hintergründe nicht erkannt werden können ist natürlich klar. Doch, dass unser Gehirn immer für Ausreden gut ist und irrationale Verhaltensweisen rechtfertigen kann ist auch für das Neuromarketing interessant. Dies ist nämlich nur ein Beispiel in dem Menschen getroffene Entscheidungen rechtfertigen und ein wichtiger Grund, wieso Produkteinführungen häufig scheitern. Die Marktforschung, die im Vorfeld betrieben wurde baut auf expliziten Aussagen der Konsumenten auf, die eigentlich nur Rechtfertigungen sind.

Das explizite System agiert wie ein Regierungssprecher, der Entscheidungen interpretieren und legitimieren muss, deren Gründe und Hintergründe er gar nicht kennt und an deren Zustandekommen er zudem nicht beteiligt war (vgl. Häusel (Neuromarketing): 63). Diese Tatsache sollte auch von Managern und Marktforschern beachtet werden.


Responses

  1. Wenn ich den Eindruck habe, dass es mir schmeckt, aber gar nicht wissen kann, dass es mir in Wirklichkeit nicht schmeckt, ist das für mich als Raucher und Nichtwissenschaftler doch irrelevant, oder?
    Aus neurowissenschaftlicher Sicht und als Konsument aber durchaus sehr spannend.

  2. […] Juni 10, 2009 von petersterl Ich habe heute auch einen sehr interessanten Artikel darüber gelesen, dass es mir überhaupt nicht schmeckt, aber dass ich das aus physiologischen und neuronalen Gründen gar nicht wissen kann. Mehr dazu hier. […]


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