Verfasst von: Alexander Grosch | November 17, 2010

Der implizite Egoismus oder was in unseren Initialien steckt?


Im Marketing und Branding geht es immer wieder auch darum, Markennamen und Produktnamen richtig zu positionieren und ihnen Bedeutung zu geben. Aber es stellt sich auch die Frage, was bedeutet ein Name für uns überhaupt, bzw. was bedeutet uns unser eigener Name.

Aber lasst uns mit einem kleinen Experiment beginnen.

Nehmt den ersten Buchstaben eures Vornamens. Gefällt euch der Buchstabe? Während ihr wahrscheinlich sagen werdet, es ist doch nur ein Buchstabe, der euch gleichgültig ist, konnten Studien über verschiedene Kulturen hinweg zeigen, dass Menschen ihre Initialien mehr mögen als andere Buchstaben. Diese Präferenz kann offenkundig sein, aber zum Teil auch eigenartige und unerwartete Effekte auf unser Verhalten haben. Interessante Forschungen konnten hierbei zeigen, dass Menschen eher in Städten wohnen und sich für Karrieren entscheiden, die ihren Namen ähneln. Außerdem konnten Studien zeigen, dass Studenten deren Namen mit „A“ oder „B“ beginnen bessere Noten schreiben als Studenten, deren Namen mit „C“ beginnen.

Forscher nennen diesen Effekt „Implizite Ichbezogenheit„.

Da die meisten Menschen positive Assoziationen mit sich verbinden, bevorzugen die meisten Menschen auch Dinge, die in Bezug zu ihnen stehen (z.B. die Buchstaben ihres Namens). Verschiedene Studien bewerteten die Rolle des impliziten Egoismus in Bezug auf zwei wichtige Lebensentscheidungen:

  • wo die Menschen leben möchten und
  • wie die Menschen ihr Geld verdienen möchten.

Dabei konnte gezeigt werden, dass unverhältnismäßig viele Menschen in Orten wohnten, die ihren Namen ähneln (z.B. bei Menschen, die Louis hießen, war es äußerst wahrscheinlich, dass sie in St.Louis lebten). Ein ähnliches Bild zeigte sich auch bei der Wahl des Berufsfeldes. Menschen, die z.B. Dennis oder Denise heißen, entscheiden sich überproportional häufig für das Berufsfeld des Dentisten.

Dieser implizite Egoismus scheint also wichtige Lebensentscheidungen zu beeinflussen. Diese Idee und diese Erkenntnisse stehen aber in starkem Gegensatz zu vielen Modellen der rationalen Entscheidungsfindung und betont einmal mehr die Bedeutung unseres Autopiloten.

Diese Erkenntnisse sind aus meiner Sicht „unheimlich“ faszinierend. Die Frage ist nun natürlich, wie wir diese Erkenntnisse aus Marketing-Sicht verwenden können. Dies wird in einem späteren Artikel ausführlicher behandelt.


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