Verfasst von: Alexander Grosch | Juni 5, 2011

Der Mensch als „Referenz-Esser“ oder wie Restaurants ihren Wareneinsatz reduzieren können


Viele westliche Gesellschaften haben in der heutigen Zeit mit einer Schwierigkeit zu kämpfen, die sich massiv ausbreitet und die nachhaltig gesundheitliche Probleme mit sich bringt: Fettleibigkeit. Und ich spreche in diesem Fall nicht von ein paar Kilos zu viel, die uns zwar auf der Waage fluchen lässt, aber keine größeren Probleme mit sich bringt, sondern von einem massiven Übergewicht unter dem die betroffenen Menschen leiden.

In den Vereinigten Staaten zum Beispiel ist nach neuen Studien ca. 1/3 der Bevölkerung fettleibig. Ein Zustand, den eine Gesellschaft mit Sicherheit nicht auf Dauer tragen möchte und kann.

Ein Grund für dieses Problem ist natürlich auf gesundheitliche Probleme zurückzuführen. Ein weiterer Grund ist allerdings auch in der Politik der Nahrungsmittelkonzerne und in unserem Essverhalten begründet.

Doch warum ist es denn so schwierig Gewicht zu verlieren? Wir Menschen bieten hierfür unzählige unterschiedliche Begründungen. Von: „ich kann den fetten, süßen Versuchungen nicht widerstehen“ bis hinzu „ich habe keine Zeit, um Sport zu treiben.“

Neue Studien zeigen allerdings eine interessante und zum Teil vielleicht auch überraschende weitere Begründung, die wir anbringen könnten und die wissenschaftlich belegbar ist:

Der Anblick dicker Menschen [sorgt dafür dass es uns schwerer fällt Gewicht zu verlieren]

An dieser Stelle möchte ich kurz klarstellen, dass ich mich hier an keiner Stelle meine persönliche Meinung zum Thema Gewicht zum Ausdruck bringen möchte, sondern lediglich wissenschaftliche Fakten darstelle. Aus meiner Sicht werden hier aus wissenschaftlichen Erkenntnisse Schlüsse gezogen, (die ich hier auch aus Gründen einer korrekten Darstellung zeigen möchte), die durchaus moralisch grenzwertig sind und die durchaus kritisch zu sehen sind.

Forscher der University of Colorado führten hierfür eine interessante Studie durch, die im Journal of Consumer Research veröffentlich wurde.

Dazu boten die Forscher drei Probandengruppen Süßigkeiten an. Diesen drei Gruppen wurden mit jeweils einem von drei Bildern konfrontiert: dem Bild einer dicken Person, einer normal-gewichtigen Person und einer sehr dünnen Person.

Die Forscher entdeckten, dass die Probanden, die das Bild mit der dicken Person zu sehen bekamen deutlich mehr Süßigkeiten aßen als die anderen Personengruppen.

In einer ähnlichen Studie, die mit Cookies durchgeführt wurde, konnten die Forscher zeigen, dass die Probanden doppelt so viele Cookies aßen nachdem sie Bilder von übergewichtigen Personen zu sehen bekamen.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie es zu dieser Entwicklung kommt. Offensichtlich sorgt der Anblick einer übergewichtigen Person dafür, dass wir unsere Ziele aus den Augen verlieren. Bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass Menschen, die Gewicht verlieren wollen sich abwenden sollten, wenn „dicke“ Personen vorbei laufen?

Auf den ersten Blick scheint diese Aussage lächerlich zu sein und sie ist mit Sicherheit nicht zu empfehlen und auch keine Lösung.
Aber bedeuten diese Erkenntnisse auch, dass wir weniger essen, wenn wir extrem schlanke Personen sehen? Da wäre es wohl Zeit für eine weitere Studie. Die bisherigen Erkenntnisse könnten diesen Schluss allerdings nahe legen. Dies wäre auf jeden Fall aus Marketing-Sicht eine Möglichkeit um den Wareneinsatz gering zu halten. Platzieren Sie Bilder von dünnen Menschen in den Lokalitäten, denn wir Menschen sind zumindest nach bisherigen Erkenntnissen „Referenz-Esser“. Das heißt wir orientieren uns an unserem Umfeld und an den Menschen, die uns umgeben.

Aus meiner Sicht handelt es sich hierbei um ein sehr kritisches Thema. Deshalb fände ich es schön, eure Meinungen hierzu zu hören und was ihr von diesem Thema und den Erkenntnissen der Studien haltet.


Responses

  1. Ich könnte mir diesen Gedankengang der Probanden auch gut vorstellen:
    „Oh Gott ist der dick. Ein Glück bin ich das nicht. Ich kann mir noch etwas gönnen“
    …oder so in der Art. Wenn man sieht, dass andere noch „schlimmer“ sind, dann wird das eigene Handeln damit ggf. auch gerechtfertigt?


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: