Verfasst von: Alexander Grosch | August 28, 2011

Wenn uns das Wasser im Munde zusammen läuft oder wie Konsumgüter physiologische Reaktionen hervorrufen können


Viele Studien und Artikel haben sich schon mit dem Begehren nach bestimmten Konsumgütern beschäftigt und den emotionalen Reaktionen, die diese Konsumgüter im Gehirn auslösen können.

Neue Studien der University of Chicago konnten allerdings zeigen, dass das Sabbern nach dem neuesten iPhone mehr als eine Metapher ist. Dabei konnte gezeigt werden, dass unter den richtigen Bedingungen Konsumenten tatsächlich physiologische Reaktionen zeigen und beim Anblick von Geld oder bestimmten Konsumgütern der Speichelfluss angeregt wird, d.h. wir sabbern.

Dazu mussten 169 Studenten zwei Minuten lang auf einen Bildschirm blicken auf dem ein „X“ zu sehen war. Dabei hatten sie einen Wattepads aus Baumwolle im Mund, um den Speichel einzufangen. Damit sollten die physiologischen Reaktionen (in diesem Fall der Speichelfluss) gemessen werden. Während dem blicken auf den Bildschirm mussten die Probanden einige unwichtige und eine relevante Aufgabe verrichten: Sie mussten über eine Zeit nachdenken in der sie sich entweder sehr mächtig oder sehr machtlos fühlten. Die Hypothese der Forscher war, dass die machtlosen Probanden Geld verlockender finden.

Anschließend (mit frischer Baumwolle im Mund) durften die Probanden auf ein Bild mit Geld blicken. Die Studenten, die die machtlosen Gedanken hatten, produzierten 0,77 g mehr Speichel wenn sie auf das Geld blickten, im Gegensatz zum Blick auf das „X“. Bei der anderen Gruppe der Studenten, die die machtvollen Gedanken hatten, war kein erhöhter Speichelfluss zu messen.

In einem weiteren Experiment konnte gezeigt werden, dass Männer beim Anblick von Sportautos „sabberten“, wenn sie zuvor an eine attraktive Frau und ein Date mit dieser nachdachten. In einer Kontrollsituation in der sie davor nicht „geprimt“ wurden, konnte dieser Effekt nicht nachgewiesen werden.

Diese Erkenntnisse legen nahe, dass der Speichelfluss von materiellen Belohnungen stimuliert wird, wenn die Probanden zuvor auf ein sehr aktives Ziel geprimt wurden. Außerdem deuten die Erkenntnisse daraufhin, dass die Motivation materielle Belohnungen zu erlangen dem physiologischem Hunger viel ähnlicher ist, als bisher angenommen wurde.

Das bedeutet auch für weitere Forschungen, dass physiologische Messungen, wie z.B. der Speichelfluss eine Möglichkeit darstellen, herauszufinden welche Stimuli das explizite Nachdenken überbrücken und „automatisierte“, implizite Reaktionen hervorrufen. Das war bisher eine der Einsatzmöglichkeiten für die die Hirnscanner genutzt wurden. In gewisser Hinsicht sind die Wattepads aus Baumwolle im Mund der Studenten sehr kosten-effiziente f-MRT Scanner.

Über weitere Vorteile und Möglichkeiten der physiologischen und psychophysiologischen Forschung werde ich in weiterführenden Artikeln in der Zukunft berichten.


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