Verfasst von: Alexander Grosch | Juni 12, 2012

Wieso Fleisch für Machos und Gemüse für Schwächlinge ist


Die Überschrift klingt vielleicht lächerlich, wenn man Sie mit einem klaren Kopf betrachtet.

Aber seid ehrlich Männer, ihr habt keinen Zweifel daran, dass euer Männlichkeits-Level gestärkt wird, wenn ihr auf einem 400g Rib-Eye-Steak (auf dem Knochen) kaut. Und die Frauen unter uns können wohl kaum bestreiten, dass ihr schon häufig von dem Hamburger abgekommen seid (obwohl ihr euch heimlich danach sehnt) und euch für den Hühnchensalat entschieden habt. Und das Alles, nur um etwas mehr „Ladylike“ zu wirken. Das muss sowohl euch Frauen als auch uns Männern aber keineswegs peinlich sein. Denn wie eine neue Studie zeigt, ist diese geschlechtsspezifische Reaktion auf Fleisch in allen westlichen Gesellschaften vorhanden.

Quelle: Men’s Health

Natürlich wissen wir alle, dass an Fleisch nichts wirklich männlich ist. Nichtsdestotrotz wurden in einer Serie von Studien, die an unterschiedlichen Universitäten in den USA und England stattfanden, interessante Erkenntnisse gesammelt. Die Forscher konnten dabei herausfinden, dass in der westlichen Psyche offenbar eine starke metaphorische Verbindung zwischen Fleisch (im Speziellen Hamburger und Steaks) und Männlichkeit besteht.

Als eine Konsequenz daraus behaupten sie, dass die Abneigung der Männer sich ein vegetarisches Gericht auf einer Karte zu bestellen daher kommt, dass sie nicht als Schwächlinge erscheinen wollen.

Vor diesem Hintergrund empfehlen die Forscher, dass Lebensmittelhersteller und -vermarkter diese Forschung sinnvoll nutzen können, um zum Beispiel Soja oder andere Fleischalternativen der männlichen Welt zugänglicher zu machen. Dies wäre unter anderem dadurch möglich, dass diese Alternativen im Hinblick auf Aussehen und Haptik dem Fleisch so ähnlich wie möglich gemacht wird.

Eine der Studien, die mithilfe eines Fragebogens durchgeführt wurde, befragte 384 Studenten an der Universität von Pennsylvania, wie männlich oder weiblich bestimmte Lebensmittel erscheinen. Wenn es um den Begriff der „Männlichkeit“ ging, waren die TOP 3 Produkte ein Medium Steak, ein Hamburger und ein well-done Steak (aus 23 Produkten). Die Produkte, die als am weiblichsten gerankt wurden waren Schokolade, Pfirsich und Hühnchensalat. Eine weitere Studie analysierte 23 Sprachen, die geschlechtsspezifische Pronomen verwenden. Dabei zeigte sich, dass bei der Mehrheit der Sprachen Fleisch mit dem maskulinen Geschlecht verbunden war. Hamburger bekam in über 93 % der Fälle die Männlichkeit zugesprochen, Steak in 76 % der Fälle und Frankfurter Würstchen in 72 % der Fälle.

In einem besonders wichtigen Teil der Studie konnte gezeigt werden, dass die Befragten männliche Fleischesser  implizit als maskuliner empfanden als Männer, die kein Fleisch essen. Diese Voreingenommenheit scheint sich auch in der Statistik wieder zu spiegeln. Wie Statistiken über Fleischesser zeigen, konsumieren Männer im Durchschnitt 153 g Fleisch am Tag, während Frauen lediglich 103 g Fleisch am Tag zu sich nehmen.

Die Frage ist allerdings, wie diese metaphorische Verbindung zwischen Fleisch und dem Männlichkeitswahn zustande kam?

Man könnte annehmen, dass der Ursprung in den Tagen der blutrünstigen Neandertaler, die vor 250.000 Jahren lebten begründet ist. Die Mahlzeiten waren damals weit von einer ausgewogenen Ernährung entfernt. Unsere schwerfälligen Vorfahren, die gewöhnliche Räuber waren, aßen vorwiegend, wenn nicht ausschließlich, große Säugetiere. Diese Tatsache allein, rechtfertigt allerdings nicht die starke Verbindung zwischen Fleisch und Männlichkeit.

Der sehr muskulöse Körperbau der Neandertaler-Frauen lässt darauf schließen, dass sie ebenso eine große Menge an Fleisch aßen und darüber hinaus auch an Jagd-Expeditionen beteiligt waren. Es ist daher vielmehr der moderne Neuzeit-Mann, der für die archaische Vorstellung verantwortlich ist, dass der Verzehr von Fleisch implizit mit dem Grad der Männlichkeit in Verbindung steht. Als dieser moderne Mensch vor 40.000 Jahren in Nord-Europa zum ersten Mal auftauchte und Fertigkeiten zur Nahrungssuche mit brachte, entwickelte sich die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung.

Aufgegriffen und entwickelt in üppigen, tropischen Regionen und anschließend adaptiert und verfeinert in den kalten Steppen Zentralasiens, zeichnete sich die Nahrungssuch-Strategie durch eine geringere Abhängigkeit von der Jagd auf Großwild aus. Dies wurde unter anderem dadurch möglich, dass sich zum Einen die menschliche Ernährung auf Nüsse, Samen und andere pflanzliche Nahrungsmittel erweiterte und zum Anderen, Projektilwaffen genutzt werden konnten, die den Neandertalern nicht zur Verfügung standen. Das Tolle an dieser Strategie war, dass es den Menschen viel mehr Flexibilität bot, um an die notwendigen Kalorien, die zum Überleben wichtig waren, zu kommen.

Daraus ergab sich die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, da die energetischen Vorteile, die das Jagen mit sich brachte, nicht so groß waren, wie die Gefahr, dass den Frauen (die vielleicht Babys in sich trugen) etwas passierte.

Und so geschah es, dass die männlichen Männer auf die Jagd nach den fleischigen und bestialischen Tieren gingen und Frauen auf die Suche nach nährstoffreichen Lebensmitteln gingen. Diese geschlechtsspezifische Arbeitsteilung war zwar wohl eine deutlich effizientere „Ausbeutung“ der Umwelt als die egalitärere Lebensweise der Neandertaler. Außerdem führte es vermutlich auch zu einer verbesserten Konservierung des reproduktiven Kerns der Gemeinschaft und mag auch ein Grund dafür sein, weshalb wir im Gegensatz zu den Neandertalern nach wie vor auf dieser Erde sind.

Aber es wurden damit auch die ersten Samen gepflanzt, wieso Männer zu „fleischig“ sind, um einen „Veggie-Burger“ zu bestellen und weshalb Frauen darauf bestehen Blätter zu essen, obwohl sie viel lieber ein Stück Fleisch essen würden.

Jetzt nachdem wir den Grund für die männliche Fleischlust gefunden haben und es nur noch eine Frage der Überzeugungskraft ist, die Frau zum Fleischkonsum zu bringen, wird erst einmal ein Hühnchen auf den Grill gelegt.

Und für alle Marketers unter uns bedeutet dies nun zweierlei:

1. Wenn Frauen Fleisch kaufen sollen, lasst es nach Blumen aussehen

2. Wenn Männer Soja kaufen sollen, lasst es wie Fleisch aussehen.


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