Verfasst von: Alexander Grosch | August 21, 2012

Die Bewertung von Fähigkeiten bei der Jobauswahl oder ob Gehirnscanner das richtige Medium sind?


Bei der Personalauswahl spielen psychologische Themen eine wichtige Rolle um am Ende den besten Kandidaten für einen Position aus zu wählen. Allerdings werden die sozialen Kompetenzen von Bewerbern in Auswahlgesprächen immer subjektiv von den Gesprächsteilnehmern beurteilt. Diese subjektive Einschätzung kann allerdings fehlerhaft sein aufgrund von Sympathien oder zu schnellen Urteilen.

Jetzt stellt sich die Frage, welche Alternativen es gibt, um die Personalauswahl sinnvoller zu gestalten. Wenn es zum Beispiel darum geht eine Vertriebsperson oder einen Social-Media-Manager einzustellen, bringen aktuelle Erkenntnisse ganz neue Ideen in den Auswahlprozess. Für Vertriebspersonen und Social-Media-Manager sind soziale Kompetenzen die Entscheidenden.

Vielleicht hilft es die final zur Auswahl stehenden Bewerber in einen f-MRT zu legen und ihr Gehirn zu scannen. Wie englische Forscher in einer aktuellen Studie zeigen konnten, ist ein größerer orbito-frontaler Kortex (ein Bereich im Gehirn das mit Entscheidungsfindung und kognitiven Prozessen zu tun hat) ein Anzeichen für größere soziale Fähigkeiten.

Die Studie beschäftigte sich dabei mit der Fähigkeit das Verhalten von Anderen durch die Zuordnung von Intentionen und mentalen Zuständen zu erklären und vorher zu sagen. Es handelt sich dabei um eine Art Messung der sozialen Fähigkeiten. In der Studien mussten die Probanden Geschichten lesen und wurden anschließend über die mentalen Zustände einzelner Charaktere in der Geschichte befragt:

Die Forscher rund um Robin Dunbar beschrieben den Vorgang wie folgt: „Der mentale Zustand des entsprechenden Probanden wurde dabei als Intentionalität erster Ordnung definiert. Intentionalität beschreibt das Vermögen des Bewusstsein, sich auf etwas zu beziehen (z.B. auf reale oder fiktive Gegenstände oder Eigenschaften). Der mentale Zustand jedes Protagonisten einer Geschichte, der in einer Frage erwähnt wurde, fügte ein weiteres Level an Intentionalität hinzu. Eine Intentionalität sechser Ordnung zum Beispiel bezog daher sowohl die Verfolgung der Geisteszustände von fünf Personen aus der Geschichte,  als auch den Geisteszustand des Probanden mit ein.“

Eine vereinfachte Sicht könnte sein, dass eine sozial befähigte Person sowohl richtig beurteilen kann, was Andreas in einer Situation denkt und wie Sandra die Handlung von Andreas interpretiert (Namen sind frei gewählt).

Die Studie konnte dabei zeigen, dass die Probanden, die die höchsten Level an Intentionalität und daher sozialen Fähigkeiten aufwiesen, größere pre-frontale Kortexe hatten, was durch Gehirnscans gezeigt werden konnte. Während die meisten Menschen vermutlich annehmen, dass die Größe dieses Gehirnareals mehr oder weniger unverändert bei jedem Individuum bleibt, hat sich die vorliegende Studie nicht damit beschäftigt, ob eine extensive Sozialisierung oder spezifisches Training, Auswirkungen auf die Größe haben kann. Wir wissen allerdings bereits, dass Änderungen im Gehirn durch Lernprozesse (wie beim Üben eines Musikinstruments) entstehen. Die Studie beschäftigte sich allerdings mehr mit dem evolutionären Aspekten und damit, dass das Wachsen dieser Hirnstruktur im Menschen offensichtlich mit dem höheren Level an sozialen Fähigkeiten im Vergleich mit anderen Primaten zu tun hat.

Der orbitale pre-frontale Kortex ist nicht der einzige Bereich im Gehirn, der mit sozialen Fähigkeiten zu tun hat. Weitere Studien konnten zeigen, dass eine größere Amygdala im Zusammenhang mit mehr Freunden und komplexeren sozialen Netzwerken steht. Die Funktion dieses Gehirnbereichs wurde bereits in vorherigen Artikeln ausgiebig beschrieben.

Ich gehe jetzt zwar nicht davon aus, dass die Personalbeschaffung sich jetzt auf die Durchführung von Gehirnscans zur Jobauswahl konzentriert, aber die Studie konnte dennoch bestätigen, was wir aus der Erfahrung heraus schon annehmen konnten: Manche Menschen haben von Natur aus bessere soziale Fähigkeiten als Andere und Training allein reicht vermutlich nicht aus um diese Lücke zu schließen.


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